Mit diesem Anzeigentext beginnt die spannende und ereignisreiche Geschichte der Buchhandlung Graff. 140 Jahre sind eine lange Zeitspanne: Kaiserreich, junge Republik, Diktatur, zwei Weltkriege, dazwischen Inflation, völlige Zerstörung in einer Bombennacht, Wiederaufbau und immer wieder neue Standorte, immer wieder Ausbau und Erweiterung. Es gibt nicht viele Buchhandlungen in Deutschland, die auf eine so lange und vielfältige Geschichte zurückblicken können. Und die so eng mit der Geschichte ihrer Heimatstadt und ihrer Menschen verwoben und verwurzelt ist.
Doch erzählen wir der Reihe nach:
Am 10. April 1867 öffnete Wilhelm Graff erstmals die Eingangstür in der Kannengießerstraße für die Braunschweiger Bevölkerung. Er war ein weit gereister Mann. Der Sehnsucht nach fernen Ländern werden wir in der Geschichte der Buchhandlung noch öfter begegnen, sie begleitet die Menschen, die Braunschweigs Buchhandlung groß gemacht haben.
Zunächst lagen die Schwerpunkte auf Schulbüchern, Wörterbüchern und Atlanten. Wilhelm Graff empfahl sich den „Braunschweiger Lehranstalten“, bot Bücher „in dauerhaften Einbänden neu und antiquarisch“ an. Wenig später gab er bekannt, dass „Herr Theodor Müller (...) als Associé eingetreten ist“, ein alter Freund aus Russland. Schnell expandierte das Unternehmen zur Sortiments- und Kunsthandlung. Und schon kurze Zeit später kam der erste Einschnitt – wie so oft in der Firmengeschichte: Aufgrund der unerwarteten Erbschaft einer Mühle zog sich Müller zurück. An seine Stelle trat Agnes Graff, geb. Gollmart 1874 mit Vermögen in die Firma ein und übernahm nicht nur die Inhaberschaft, sondern siedelte die Buchhandlung in größeren Räumen in der Neuen Straße 23 an.
Die Geschäfte florierten, mehrmals wurden die Räume ausgebaut und erweitert – doch die schlechte Gesundheit Wilhelm Graffs bewirkte schon bald den nächsten Einschnitt. Man benötigte dringend einen Kompagnon. Und fand ihn gleich zweifach: Der Gehilfe Adolf Just erwies sich als fähiger Geschäftsmann, der das Unternehmen weiter ausbaute, Teilhaber wurde. Am Rande erzählt: Just ist der Erfinder der Luvs Heilerde, die noch heute in Apotheken erhältlich ist. Und den Sohn Paul Graff meldete man sogar am Martino Katharineum ab, da seine Befähigung zum Buchhändlerberuf früh erkennbar war. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellte: Da Paul Graff den Beruf von der Pike auf erlernte, konnte er 1896 im Alter von 26 Jahren die Geschäftsleitung übernehmen, denn Adolf Just befiel ein Nervenleiden.
Um die Jahrhundertwende war eine der „Blütezeiten“ der Buchhandlung. Kundenzuspruch und Umsatz entwickelten sich so rasant, dass Paul Graff dringend den nächsten Einschnitt wagen musste: Er erbaute in der Neuen Straße 18a ein repräsentatives Jugendstilhaus. Das neue Domizil wurde so gut angenommen, dass er bald weiter ausbauen musste, erstmals wurde Graff mehrstöckig mit einer Wendeltreppe. Doch Paul Graff ging noch weiter: Er kaufte umfangreiche Verlagsbestände auf, entwickelte verlegerische Tätigkeit. So gefestigt, überstand das Unternehmen den 1. Weltkrieg und die Inflation.
Nach über 50jähriger rastloser Tätigkeit sehnte sich Paul Graff nach dem Ruhestand – doch er hatte keinen Nachfolger. In der Person des Bremer Exportbuchhändlers Johannes Wrensch fand er einen Mann, den er für würdig und fähig hielt, die Geschäfte zu übernehmen. Johannes Wrensch war nicht irgendwer: Er hatte sich durch zwei ausgedehnte Reisen durchs damals schwer passierbare Brasilien einen Namen gemacht, dort hatte er erfolgreich an deutsche Firmen und deutsche Kolonien Literatur verkauft.
1937 übernahm Johannes Wrensch die Buchhandlung und setzte schnell neue Schwerpunkte, die bis heute wirken. Er stellte eine enge Verbindung zur Technischen Hochschule her, zur Studentenschaft, zu Werks- und Maschinenbauschulen. Ohne die Schöne Literatur zu vernachlässigen, baute er die wissenschaftliche Literatur aus. Und er gehörte zu den Ersten, die neben dem „reinen“ Antiquariat das „Moderne Antiquariat“ einführten. Der Umsatz vervierfachte sich, acht Gehilfen und Lehrlinge waren neben Sohn und Tochter beschäftigt.
Dann die Katastrophe: In der schweren Bombennacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944 wurde die Braunschweiger Innenstadt in einem Feuersturm vernichtet. Die Buchhandlung Graff war mit sämtlichen Lagerbeständen ausgelöscht.
Der Neuanfang nach dem Krieg war zunächst vom Pech verfolgt: Die kleinen Behelfsräume wurden erst durch Einbruch und Diebstahl, dann durch Hochwassereinbruch betroffen, dann entwertete die Währungsreform 1948 den mühsam aufgebauten Lagerbestand. Als der Sohn Jürgen Wrensch aus Kriegsgefangenschaft aus Marokko zurückkam, stand er vor einem Desaster.
Erneuter Anfang am Eiermarkt mit spärlichsten Mitteln. Doch was dann geschah, bezeichneten Vater und Sohn später als ein „Nachkriegswunder“. In alter Verbundenheit kamen die Braunschweiger wieder zu Graff und verlangten nach Literatur. Auch die alten Beziehungen zur Hochschule konnten wiederaufgenommen werden, schon bald wurden wieder Mitarbeiter eingestellt. Wie so oft in der Unternehmensgeschichte - und wie auch in der Gegenwart - war es das Sympathieverhältnis zwischen den Braunschweigern und ihren Buchhändlern bei Graff, das Weiterbestand und Ausbau beflügelte.
Nikolaustag 1958: Johannes und Jürgen Wrensch öffnen wieder einmal die Türen eines neuen Domizils, Neue Straße 23. Und wieder die schon oft erlebte Geschichte: Bald müssen Ausbau und Erweiterung dem steigenden Zuspruch nachkommen.
Graff wird zur größten Buchhandlung der Region, eröffnet 1965 eine Filiale an der Universität, hat jetzt 40 Mitarbeiter. Bereits 1968 sind es 70 Mitarbeiter.
Es folgen Jahre der Festigung, immer wieder Um- und Ausbau, um sich den Kundenbedürfnissen anzupassen. Jürgen Wrensch und der aktiven Mitarbeit seiner Frau Marianne ist es zu verdanken, dass Graff fest in Braunschweigs Handel und Bevölkerung verankert wurde, sie schufen das Fundament für die spätere Expansion.
Inzwischen sind die Söhne von Jürgen Wrensch, Thomas und Joachim, auf Lehr- und Wanderjahren durch Buchhandlungen und Schulen in Deutschland. Ihrem Eintritt in das Unternehmen in den Jahren 1985/86 folgte eine Erweiterung auf 1.000 qm Verkaufsfläche im Jahr 1990. Graff ist jetzt endgültig zu einer Buchhandlung geworden, die sämtliche Bereiche des in- und ausländischen Buchmarktes anbietet, immer mehr öffnet sich das Haus für die Neuen Medien. Thomas und Joachim Wrensch setzen auf Vielfalt im Angebot und Kompetenz in der Beratung.
1999 kam der vorerst letzte Einschnitt: Verdoppelung der Verkaufsfläche in einem lichten Haus mit Café am Sack 15. Und wieder mit den gleichen Folgen – die Braunschweiger nahmen „ihre“ Buchhandlung Graff mit viel Zuspruch und Lob an. Man hatte einen gelungenen Mittelweg zwischen dem Kundenwunsch nach einem Buchkaufhaus mit großem Angebot und der traditionellen Behaglichkeit und Atmosphäre einer Buchhandlung mit Beratungskompetenz gefunden.
Neue Schwerpunkte kamen nun hinzu: Ein Kulturprogramm mit über 100 oft ausverkauften Veranstaltungen im Jahr – Lesungen, Konzerte, Vorträge, Kinderprogramme.
Das in der Region größte Angebot an Jazz- und Klassik-CDs wurde in der 2. Etage integriert, im Erdgeschoss das mit über 2000 Titeln größte Zeitschriftenangebot der Stadt. Seit 2009 gibt es exklusiv bei Graff einen Zweitausendeins-Shop.
Und im Sommer ist die Sonnenterrasse des Café lit geöffnet.
Diese Auszeichnungen und Preise hat die Buchhandlung Graff zuletzt erhalten:
Prädikatsbuchhandlung - Partner für Leseförderung 2013/2014, verliehen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Niedersachsen-Bremen
Prädikatsbuchhandlung - Partner für Leseförderung 2011/2012, verliehen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Niedersachsen-Bremen
Marketinglöwe des Jahres 2010, der Hauptpreis des Marketing-Clubs Braunschweig
Buchhandlung des Jahres 2009, verliehen vom Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur
Prädikatsbuchhandlung - Partner für Leseförderung 2009/2010, verliehen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Niedersachsen-Bremen
Leuchtturmbuchhandlung des Monats April 2009, verliehen von Langendorfs Dienst
Buchhandlung des Jahres 2006, Kategorie unabhängige Sortimentsbuchhandlung, verliehen von der Zeitschrift BuchMarkt